Edzard Reuter über die Reuterianer
Grußwort des Schirmherren des Ernst-Reuter-Stipendienprogrammes, Edzard Reuter
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Der Schirmherr des Ernst-Reuter-Stipendienprogramms, Edzard Reuter |
Der Vorschlag für ein Stipendienprogramm, das den Namen meines Vaters Ernst Reuter tragen und jungen Studierenden die Möglichkeit eines Studiums an den besten Universitäten Amerikas und Frankreichs ermöglichen sollte, hat mich von Anfang an begeistert. Denn jetzt, wo wir alle über das Phänomen der Globalisierung nachdenken und diskutieren, ist eines kaum noch zu übersehen, was doch für meine eigene Generation erst so bitter erfahren werden musste: der einzigartige und durch nichts zu ersetzende Wert der Verständigung zwischen den Völkern.
Das eigene Erleben fremder Kulturen als Schlüsselqualifikation
Das eigene Erleben fremder Kulturen wird dabei zunehmend eine Schlüsselqualifikation sein. Nicht zuletzt kann und wird es einen neuen Blick auf die Welt eröffnen. Der Respekt gegenüber Menschen einer anderen kulturellen Herkunft und deren Lebensweisen schützt nämlich vor den Gefahren, die aus einem Überschwang von Sendungsbewusstsein und einer Überschätzung nackter Interessen allzu leicht erwachsen können. Jeder junge Mensch, der mit offenen Augen durch die Welt geht, wird schnell verstehen, dass alle Gedanken an eine vorgegebene Überlegenheit der eigenen kulturellen Herkunft, insbesondere wenn sie sich auf religiöse Dogmen beruft, auf dünnem Boden stehen. So hat mich selbst das Zusammenleben mit den türkischen Menschen während der Zeit unserer Emigration in den Jahren von 1935 bis 1946 in der Überzeugung bestärkt, dass der Respekt vor andersartigen Kulturen, dass Achtung vor den anderen, dass Freiheitsliebe, Solidarität und Opfermut überall dort zu Hause sind, wo Menschen in Frieden und Würde miteinander leben wollen.
Vision einer der Gemeinschaft verpflichteten Bildungslandschaft
Die jungen Stipendiatinnen und Stipendiaten haben nun neue Ideen und Visionen mitgebracht. Aus gänzlich eigener Initiative engagieren sie sich für ein Projekt, das das Zusammengehörigkeitsgefühl an ihrer, der Freien Universität stärken soll. Dafür treten sie an Freunde und ehemaligen Absolventen der Hochschule heran, um den Dialog zu suchen und um von den Pfaden und Biographien der Ehemaligen zu lernen. Ich unterstütze diese Initiative, weil ein demokratisches Gemeinwesen von der Bereitschaft zur Eigenverantwortung seiner Mitglieder lebt. Dahinter steht die Vision einer in ihrer Art einzigartigen Universität, die keine Institution zur Förderung gesellschaftlicher Privilegien, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil einer lebendigen, transparenten, der Gemeinschaft verpflichteten Bildungslandschaft ist. Als solche hat sie sich einem weltweiten Vergleich zu stellen. Das kann sie mit Zuversicht leisten, wenn Menschen, die wie ich auf ein inzwischen nicht mehr ganz kurzes Leben zurückblicken, bereit sind, den Mitgliedern der jungen Generation, die am Beginn ihres beruflichen Lebens stehen, hier und da manches von ihren Erfahrungen - und vielleicht sogar die eine oder andere wertende Schlussfolgerung - weiterzugeben. Schönere Zeichen der Dankbarkeit und der Verbundenheit gegenüber der eigenen Alma Mater als solche Wegweiser für den weiteren Weg der Jüngeren kann ich mir kaum vorstellen.
Ich bitte Sie herzlich, die Reuterianer in ihrem Engagement zu unterstützen.
Ihr Edzard Reuter

