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Mit Bachelor und auf Japanisch

14.08.2007: Die Reuterianer begrüßen fünf neue Stipendiatinnen und Stipendiaten. Zum ersten Mal sind auch zwei Japanologen und eine BA-Studentin vertreten.

  
 

Sie sitzen schon im Flugzeug: die Reuterianer Julia Zacharias, Clara Polley, Jakob Scherer, Karl Weidenbeck und Lisa Börner (von links)

Princeton, University of Pennsylvania und University of California at Los Angeles - An diesen Unis werden Julia Zacharias, Jakob Scherer und Clara Polley ab dem Spätsommer studieren. Sie erhalten in diesem Jahr das Ernst-Reuter-Stipendium für ein Studienjahr an einer der renommierten amerikanischen Partnerhochschulen der Freien Universität Berlin.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Ernst-Reuter-Stipendiums nehmen außerdem zwei Reuterianer ihr Auslandsstudium in Japan auf: Lisa Börner und Karl Weidenbeck werden an der Waseda bzw. der Keio Universität studieren. "Asien rückt immer stärker ins Blickfeld Europas und der Welt: wirtschaftlich und politisch", sagt Karl Weidenbeck. Japan steht darüber hinaus im Fokus der traditionsreichen Regionalstudien an der Freien Universität. Am Ostasiatischen Seminar wird die Geschichts- und Kulturwissenschaft der Region gelehrt und erforscht.

Darüber hinaus wird mit Clara Polley zum ersten Mal eine Bachelor-Studentin ausgezeichnet. "Ich empfand den Studiengang am Anfang als sehr verschult", sagt die Studentin der Geschichte und der Vergleichenden Literaturwissenschaften. Es komme aber weniger auf das System und vielmehr auf die Qualität der Lehrenden an. "Und die ist an der Freien Universität sehr gut."

Polley: "Beim Bachelor zählt die Qualität der Lehrenden"

Internationale Erfahrungen haben alle Reuterianer bereits in Ländern wie Kanada, den USA, Hongkong und Japan gesammelt. Doch ein Studienaufenthalt biete einen neuen Einblick in ein Land - auch wenn man es schon durch eine ausgedehnte Reise oder einen Aufenthalt in einer Gastfamilie kennt. Darin stimmen alle überein.

Wie aber sind die Neu-Reuterianer zu ihren Studienfächern gekommen? Clara Polley und Karl Weidenbeck möchten mit ihren Fächern ihr Interesse für Literatur und Geschichte mit Fremdsprachen verbinden - und kamen so zum Kombi-Bachelor der Allgemeinen Vergleichenden Literaturwissenschaft / Geschichte und zur Japanologie. Lisa Börner sagt, sie war schon immer ein "Japan-Freak". Ihr Interesse an japanischer Populärkultur führte dazu, dass sie sich gegen ein Design- und für ein Japanologie-Studium entschied. Julia Zacharias kam erst auf Umwegen zu ihrer Studienfachwahl: Sie wollte ihr Studium zunächst in den USA absolvieren. Doch dann beschloss sie, sich stattdessen für Nordamerikastudien in Berlin einzuschreiben.

Jakob Scherer kam bereits mit 16 Jahren zum ersten Mal auf den Gedanken, Philosophie und Wirtschaft zu studieren - eine eher seltene Kombination in der Universitätslandschaft.

Was versprechen sich die Stipendiatinnen und Stipendiaten von ihrem Auslandsjahr? "Ein Auslandsaufenthalt prägt die eigene Identität viel stärker und nachhaltiger. Man stößt an eigene Grenzen wird gezwungen, sich zu vielen Fragen oder Problemen neu zu positionieren", sagt Clara Polley. Welche kulturelle Sensibilität hierbei vonnöten ist, haben auch die anderen erfahren. Denn dieser Aushandlungsprozess fällt in einer anderen Kultur nicht immer leicht.

Studieren im Ausland - auch die Rückkehr ist eine Herausforderung

Nicht nur das Weggehen, auch das Wiederkommen birgt seine Herausforderungen. "Die Reflexion über das Auslandsjahr wird erst nach der Rückkehr nach Deutschland einsetzen", vermutet Karl Weidenbeck. Über die Dimension des Kulturschocks lässt sich allerdings streiten: "Es ist ein anderer Schritt, nach Japan zu gehen, als in die USA. Dort bleibt man innerhalb der westlichen Hemisphäre", meint Julia Zacharias.

Die Fünf wagen auch einen Blick in die Zukunft. Was wird sich nach ihrer Rückkehr im nächsten Jahr verändert haben? "Nicht viel", sagt Julia Zacharias. Sie kennt viele Leute, die ständig auf dem Sprung ins Ausland seien. "Internationalität ist heute wichtig, aber auch selbstverständlich." In einem Punkt sind sich alle Reuterianer einig: "Wenn wir zurückkommen, wird die Freie Universität Elite-Universität sein." Die Gründe dafür sehen sie vor allem in der Qualität der Lehre und im Engagement der Dozenten. Über die Auswirkungen des Elite-Status lässt sich hingegen noch philosophieren: "Neben dem finanziellen Zugewinn wird der internationale Bekanntheitsgrad der Freien Universität steigen", prophezeit Lisa Börner. "Der Name wird in Zukunft einen stärkeren Aha-Effekt auslösen." Damit dies auch so bleibt, wirft Jakob Scherer ein, müssen Querdenken und Kritik erlaubt sein: "Der Begriff der Elite ist nur sinnvoll, wenn sie sich und ihre Strukturen nicht bloß reproduziert, sondern auch offen für neue Ansätze ist." Zum Beispiel sollten sich Wissenschaft und Wirtschaft stärker miteinander vernetzen. Hier trifft er allerdings auf starken Protest der anderen - Die Unabhängigkeit der Wissenschaft und Lehre müsse gewährleistet bleiben, gerade an einer freien Universität.

Die neuen Reuterianer können sich zu diesem Thema auch gut ein Forum vorstellen. Auf dem Reuterianer-Forum diskutieren zweimal im Jahr Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft. "Wo alle von Elite reden, muss erst einmal eine genaue Begriffsdefinition her", fordert Lisa Börner. "Die Transparenz von Auswahl- und Evaluationsmechanismen muss gegeben sein." Die Diskussion ließe sich ihrer Meinung nach gut in eine größere Debatte über die Leistungsgesellschaft einbinden.

Karl Weidenbeck kann sich gut vorstellen, ein Forum zum Thema Stammzellenforschung zu veranstalten. Er wünscht sich, dass dabei auch die ethischen Gesichtspunkte angesichts des rasenden Fortschritts der Forschung nicht zu kurz kommen. Das Auslandsstudium wird den neuen Reuterianern die Gelegenheit bieten, auch in diesen Bereichen Einsicht in neue Perspektiven und Positionen zu erlangen.
Helena Suchochleb


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